10 Gründe für die Kernenergie

Die Kernenergie ist besser als ihr Ruf. Nachfolgend finden Sie 10 Gründe, weshalb Kernenergie nicht nur ökologisch notwendig, sondern auch ökonomisch sinnvoll ist.

Kernkraft zählt zu den klimafreundlichsten Energiequellen. Nach Zahlen des Öko-Instituts, das Anfang der 1980er-Jahre den Begriff „Energiewende“ geprägt hat, belastet eine Kilowattstunde Atomstrom die Umwelt mit gerade mal 31 Gramm CO2. Bei Stein- und Braunkohle wird mehr als die 30-fache Menge ausgestoßen. Die Klimabilanz der Kernenergie muss sich auch nicht vor erneuerbaren Energien verstecken: Kernenergie ist zwar nicht so klimafreundlich wie Windenergie, erzeugt aber nur ein Drittel der CO2-Emissionen von Solarstrom.

reasons1

Die Studienergebnisse des Öko-Instituts decken sich auch mit Daten des zur ETH Zürich gehörenden Paul Scherrer Instituts (PSI) und der Universität Yale. Deren Wissenschaftler betrachteten dabei die gesamte Energiekette „von der Wiege bis zur Bahre“ – bei der Kernenergie also von der Uranmine bis zum Bau des Tiefenlagers für die Entsorgung der radioaktiven Abfälle und zum Rückbau der Kernkraftwerke.

Aufgrund Ihrer niedrigen CO2-Emissionen kommt der Kernkraft eine wichtige Rolle beim Klimaschutz zu. Weltweit leistet Kernenergie zusammen mit Wasserkraft den größten Beitrag hinsichtlich der angestrebten Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes. Allein in Deutschland wurden vor dem Ausstiegsbeschluss durch die Nutzung der Kernkraft 150 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr eingespart. Das entspricht in etwa der Menge der jährlichen CO2-Emissionen im Straßenverkehr.

Je mehr Kernreaktoren vom Netz gehen, umso deutlicher zeigen sich die Folgen: Hamm, Lünen, Neurath, Boxberg, Wilhelmshaven, Hamburg-Moorburg, Mannheim ‒ alles Kohlekraftwerke, die nach dem Atomausstieg fertiggestellt wurden oder sich gerade im Bau befinden. Nie zuvor wurden in Deutschland so viele Kraftwerke in so kurzer Zeit gebaut. Insbesondere die Braunkohle, der schmutzigste aller Energieträger, erlebt eine Renaissance:

reasons2

Auch in der deutschen Politik macht sich die Erkenntnis breit, dass Kohlekraftwerke die Kehrseite des Atomausstiegs sind. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel räumte jüngst ein, dass Deutschland seine Klimaschutzziele voraussichtlich nicht einhalten kann. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ zitierte ihn mit den Worten, es sei „eine Illusion, zu glauben, Deutschland könne gleichzeitig aus Kernkraft und Kohle aussteigen“.

Blei, Quecksilber, Arsen, Cadmium Feinstaub, Schwefeldioxide, Stickoxide – aus den Schloten deutscher Kohlekraftwerke treten viele gefährliche Substanzen aus. Unter den zehn gesundheitsschädlichsten Kraftwerken Europas sind allein fünf deutsche Braunkohlekraftwerke. Mit an vorderster Stelle ist das Braunkohlekraftwerk Neurath, dessen Blöcke F und G 2012 in Betrieb genommen wurden: 

reasons3

Laut Greenpeace kosten Deutschlands Kohlekraftwerke jedes Jahr 3.100 Menschen das Leben. Die von Kohlekraftwerken ausgestoßenen Schwermetalle reichern sich in der Nahrungskette an. Aufgrund der Quecksilberbelastung wird Schwangeren inzwischen davon abgeraten, Fisch zu verzehren.

Kernenergie belastet die Umwelt weder mit Schwermetallen noch mit Feinstaub. Damit leistet Kernenergie einen wichtigen Beitrag zur Luftreinhaltung.

Bewohner im Umkreis von Kernkraftwerken sind häufig besorgt, dass sie einer erhöhten radioaktiven Strahlung ausgesetzt sein könnten. Allerdings sind Kohlekraftwerke eine weitaus größere Strahlenquelle, wie der Bund für Umwelt und Naturschutz in der Broschüre „Radioaktivität aus Kohlekraftwerken“ klarstellt. So enthält beispielsweise eine Tonne rheinische Braunkohle 0,2 Gramm Uran. Die Asche eines Kohlekraftwerks kann bis zu 200 ppm Uran aufweisen – eine Konzentration, ab der in der Rössing-Mine in Namibia Uran abgebaut wird. In Summe ist die durch Kohlekraftwerke freigesetzte Strahlung mehr als dreimal höher als die von Atomkraftwerken.

Auch wenn es überrascht: Der Atomausstieg und das dadurch ausgelöste Comeback der Kohle hat zu einer erhöhten Strahlenbelastung der Bevölkerung geführt.

Studien der Europäischen Union, der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Internationalen Energieagentur (IEA) und des Paul Scherrer Instituts (PSI) weisen alle in die gleiche Richtung: Im Vergleich zu fossilen Brennträgern ist Kernenergie sehr sicher. 

Einerseits werden die Folgen alltäglicher Gefahren häufig unterschätzt: Der WHO zufolge sterben weltweit jedes Jahr 1 Million Menschen an den Folgen der Kohleverstromung, die Mehrzahl durch Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Andererseits werden die Folgen vereinzelter katastrophaler Ereignisse überschätzt: Tschernobyl, das mit Abstand schlimmste Reaktor-Unglück in der Geschichte der Kernkraft, wird laut Bündnis 90/Die Grünen über einen Zeitraum von 70 Jahren 30.000 bis 60.000 Todesopfer fordern. In Fukushima gab es tatsächlich bis dato keinen einzigen Strahlentoten. Zahlen der WHO zeigen, dass die langfristige Erhöhung des Krebsrisikos fast nicht messbar sein wird.

Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, einen Großteil seines Stroms aus erneuerbaren Energien zu beziehen. Bis es soweit ist, brauchen erneuerbare Energien aber starke Partner: Solange Strom nicht gespeichert werden kann, muss die unstete Energie aus Wind und Sonne mit grundlastfähigen Kraftwerken ergänzt werden.

Als einzige CO2-arme grundlastfähige Energieform ist Kernenergie die ideale Brückentechnologie. Wie Atomkraft und erneuerbare Energien geschickt kombiniert werden können, um das Klima zu schützen, zeigt das Beispiel Schweden: Ein Großteil des dortigen Stroms stammt aus erneuerbaren Energien und Kernenergie. Die Folge: Die CO2-Emissionen pro Kopf sind in Schweden nicht einmal halb so hoch wie in Deutschland.

Der schnelle Atomausstieg bringt hohe volkswirtschaftliche Kosten mit sich. Nach Berechnungen der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hätte die ursprünglich beschlossene Laufzeitverlängerung den Kraftwerksbetreibern zusätzliche Einnahmen von 57 Milliarden Euro eingebracht. Doch nicht nur die Betreiber verzeichnen Einbußen, auch der Staat verliert Geld durch den Atomausstieg. Die LBBW schätzt, dass der Atomausstieg zu Steuerausfällen in Höhe von 31 Milliarden Euro führen wird.

Überschattet werden diese Kosten durch Wettbewerbsnachteile für den Standort Deutschland. Die deutsche Industrie zahlt inzwischen 40 Prozent mehr für Strom als die Konkurrenz in Frankreich.  Nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) führt dies zu Produktionsverlagerungen ins Ausland. IW-Direktor Michael Hüther erläutert: „Es wird weniger investiert, als es dem normalen im Produktionsprozess entstehenden Werteverschleiß entspricht. Insofern kann man das schon als einen Verlust für den Standort Deutschland verstehen.“  Der Umwelt ist dadurch wenig gedient. Die neuen Produktionsanlagen entstehen stattdessen in China und Indien. Die wichtigste Energiequelle in diesen Ländern: Kohle.

Rund 40.000 Beschäftigte zählt die Atomindustrie Deutschlands. 30 Unternehmen sind mit dem Bau, der Modernisierung oder der Wartung von Atomkraftwerken beschäftigt. Dabei ist die Instandhaltung der deutschen Atomblöcke nur ein Teil des Geschäfts. Auch vorgelagerte Prozessketten wie die konventionelle Energieübertragungs- und Leittechnik zählen zu dem Wirtschaftszweig. Der Atomausstieg gefährdet diese Arbeitsplätze und über Jahrzehnte aufgebaute technische Expertise.

Wie begehrt deutsches Know-How ist, zeigt dass China offen deutsche Fachkräfte umwirbt. So teilte Xu Yuming, der stellvertretende Generalsekretär des Verbands für Nuklearenergie (CNEA), der "FAZ" mit, dass China angesichts des Ausstiegsbeschlusses deutsche Experten einlade, "bei uns zu forschen und zu arbeiten". 

Der Atomausstieg stellt die Stromversorgung in Deutschland vor große Herausforderungen. Eine Studie des baden-württembergischen Umweltministeriums prognostiziert, dass in Süddeutschland bereits in drei Jahren die Stromnachfrage höher sein könnte als die sicher zur Verfügung stehende Leistung. Auch im Rest der Republik ist mit Versorgungsengpässen zu rechnen. Franz Untersteller, der grüne Umweltminister Baden-Württembergs, schreibt in einer Pressemitteilung zur Vorstellung der Studie, es könne in ganz Deutschland „zu temporären Versorgungslücken kommen“.

Der Studie zufolge wird die Lage durch Versorgungslücken im europäischen Ausland zusätzlich verschärft. Dadurch gestaltet sich auch der Import von Strom zum Ausgleich inländischer Engpässe in der Stromversorgung zunehmend schwieriger.

Vor diesem Hintergrund plädiert Untersteller schon länger für einen sogenannten Kapazitätsmarkt: Betreiber von Gas- und Kohlekraftwerken sollen für die Bereithaltung von Reservekapazitäten bezahlt werden. Betreiber fossiler Kraftwerke werden also noch auf viele Jahre hinaus vom Atomausstieg profitieren.

Die Energiewende kann nur durch einen Ausbau aller CO2-armen Energieträger gelingen. Im Jahr 2000 betrug der Anteil der Kernenergie am deutschen Strommix fast ein Drittel. Der Anteil erneuerbarer Energien nähert sich inzwischen ebenfalls dieser Marke. Deutschland könnte also fast zwei Drittel seines Stroms aus klimafreundlichen Energiequellen beziehen.

Stattdessen feiert die Kohle nach dem Atomausstieg ein Comeback. Insbesondere die Braunkohle erlebt eine Renaissance. Die Folgen sind gravierend. Die Bundesregierung hat jüngst eingeräumt dass Deutschland seine Klimaschutzziele zu verfehlen droht. Auch Greenpeace-Energieexperte Gerald Neubauer stellt fest: "Aus klimapolitischer Sicht ist es fatal, dass ausgerechnet der klimaschädlichste Energieträger der größte Profiteur des Atomausstiegs ist." Deutschland ist vom Vorreiter in Sachen Klimaschutz zu einem Nachzügler geworden.

 Unsere Mitarbeiter stehen Ihnen bei Fragen rund um den Bestellprozess gerne zur Verfügung. Kontaktieren Sie uns einfach telefonisch oder per E-Mail.